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Jubiläum Attendorn Rückblick 20. Jan 2017

Rückblick des VdK Attendorn zum 70jährigen Bestehen am 09. Dezember 2016 in der Jubiläumsveranstaltung mit 270 Personen in der Stadthalle Attendorn von Sigrid Trilling:

Liebe Mitglieder, liebe Gäste, sehr geehrte Damen und Herren,

heute hat der Sozialverband Attendorn allen Grund zu feiern, blicken wir doch auf eine lange,  nämlich 70-jährige Tradition,  zurück. Mit der Gründung im Dezember 1946 gehören wir zu den VdK-Urgesteinen. Das sind 70 Jahre Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit, 70 Jahre Dienst am Nächsten, 70 Jahre Solidarität mit den Mitgliedern. 

Wie hat alles angefangen?

Nach Kriegsende lebten die Menschen in großer Not. Viele hatten im Krieg Verletzungen erlitten, die zu vorübergehenden oder gar lebenslangen Einschränkungen führten. Wohnraum und Lebensmittel waren knapp, aus dem Krieg nicht zurückgekommene Familienmitglieder fehlten. Ende des Folgejahres, am 12.12.1946, wurde im Bewusstsein der Notlage vieler Menschen in Attendorn im Hotel zur Post durch Franz Kronenberg die Gründungsversammlung des VdK initiiert. Es kamen Kriegshinterbliebene, Eltern gefallener Soldaten sowie Kriegsversehrte. Den Menschen, die durch die Kriegsereignisse in Not geraten waren, sollte durch den VdK Hilfe zukommen.  

Leider sind Kriegszeiten auch heute nicht überwunden - die Bilder aus Aleppo oder Mossul  sind schockierend und erfüllen uns mit großer Betroffenheit. Möge es bald ein Einsehen geben, dass dieses Drama ein Ende findet.

Wer waren die Menschen, die sich in der Gründungszeit des VdK in Attendorn besonders engagierten?

Da ist Gottfried Bock zu nennen, der zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, des weiteren Siegfried Henze, der Schriftführer wurde, Josef Damm, der die Aufgabe des Kassierers übernahm und Alma Hoffmann, die als Hinterbliebenenbetreuerin Unterstützung bot. Wir erinnern uns auch gerne an Frau Rickers, die damals schon große soziale Hilfeleistungen ins Leben gerufen hat und sich bis in ihr hohes Alter für die Belange der Mitglieder, aber besonders der Frauen, einsetzte. 

Sehr wichtig war auch, die finanziellen Ansprüche bei den im Aufbau befindlichen Behörden geltend zu machen. Die orthopädische Versorgung der Kriegsversehrten musste gewährleistet werden. Darüber hinaus benötigten sie Unterstützung für die Anerkennung und Bewertung ihrer Leiden. Der VdK war auch bei der Beschaffung eines geeigneten Arbeitsplatzes und ausreichenden Wohnraums behilflich.  

Die Arbeit und Beratung des VdK erreichte 1953 bereits 393 Personen. Es fanden Beratungen z.B. in den Geschäftsräumen von Paul Werthenbach statt.

Ab 1954 war Hans Sporer für sage und schreibe 40 Jahre Kassierer. Das ist eine so lange Zeit, dass ich es nicht versäumen möchte , hier zu erwähnen.

Eine Hauptaufgabe war es in jener Zeit,  Anträge auf Rente und Heilbehandlung sowie Wehrdienstbeschädigung und Feststellung der Versehrtenstufe zu stellen. Aufgrund der Vielzahl der Anträge ergaben sich große zeitliche Verzögerungen.Nach Ausstellung der Anerkennungsbescheide wiederum häuften sich die Einsprüche, die bearbeitet werden mussten. 

1953 gründeten Heinz Heuel und Paul Werthenbach innerhalb der Ortsgruppe eine Versehrten-Sportgruppe die bis heute als Behindertensportgruppe besteht. 

Weil der Wohnraum  durch Zerstörungen und die Aufnahme der vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge sehr knapp war,  wurden über die Wohnungsbaugesellschaft des VdK Landesverbandes Düsseldorf in den Jahren 1953/54, 1962 und 1967 insgesamt 49 Häuser in Attendorn errichtet, die den Wohnungssuchenden dann zur Verfügung standen.  

Bis 1975 war Gottfried Bock Vorsitzender des Vdk. Er gab den Vorsitz aus beruflichen Gründen in dieser Zeit an Hubert Brake ab, blieb aber weiter im Vorstand. Damals entstand durch Fusionen der Kreisverband Siegen-Olpe-Wittgenstein. 

Unser heutiger Kreisverband zählt 33.000 Mitglieder und  beschäftigt 5 hauptamtliche Rechtsberaterinnen und –berater in Siegen und Olpe.  Diese beraten unsere Mitglieder professionell, unterstützen sie und beschreiten notwendige Rechtswege.

Als ich 1994 zur Kassiererin gewählt wurde, hatten wir  in Attendorn 350 Mitglieder. Ich war als Neuling in einem Vorstand tätig mit den unvergessenen  VdKlern  Hubert Brake, Gottfried Bock, Rudolf Stephan, Hans Sporer, Heinz Heuel, Hedwig König, Peter Isphording, Günter Stumpf, Hans Liiv, Theo Bilsing und Gregor Hoffmann.

In den 80er und 90er Jahren mussten wir etliche Mitgliederschwunde hinnehmen, weil die Kriegshinterbliebenen weniger wurden. In diesen Zeiten wandelte sich der VdK zum Sozialverband VdK e.V.

Sein größtes Standbein wurde die Hilfe im Schwerbehindertenrecht, aber auch die Sozialrechtsgebiete Rentenversicherung, Pflegeversicherung und gesetzliche Krankenversicherung wurden immer bedeutsamer. Sicher kann man sagen, dass im Verband die Beratungsarbeit stetig verbessert wurde. Die Menschen benötigten in diesen Bereichen so vielfältige Unterstützung, dass wir hier in Attendorn jährlich  einen erheblichen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnten, der von den erwähnten 350 im Jahr 1994 bis heute auf 1470 angestiegen ist. 

Uns ist wichtig, dass sich unsere Mitglieder im Verband „zuhause fühlen“ und untereinander verbunden sind. Deshalb bieten wir jährlich ein Programm an, das Ihnen gerade wieder zugegangen ist und das Sie hoffentlich rege nutzen werden. Schon jetzt eine herzliche Einladung dazu.

Aber zurück zur Entwicklung: Bis zum Jahr 2000 war Hubert Brake unser  Vorsitzender. Danach bekleidete er bis zu seinem Tod im Jahr 2005 das Amt des Stellvertreters. Hubert Brake war immer den Hilfesuchenden sehr zugewandt, sie kamen nicht nur zu ihm, sondern er suchte sie auch selbst auf. In seine Zeit fiel auch die Umstellung der Beitragszahlung von bar auf Lastschriftverfahren  und die Organisation der Besichtigungs- und Freizeitfahrten, die wir noch heute gerne gemeinsam unternehmen. Da der Ticketverkauf seit Jahren im Pfarrheim der kath. Kirche stattfindet, nutze ich diese Gelegenheit, mich herzlich dafür zu bedanken, Herr Vikar Hufelschulte. 

Hermann Stach hat dann ab dem Jahr 2000  den Verband weitergeleitet. Die großen Mitgliederzuwächse fielen in seine Zeit. Er war es, der  mit der Stadt verhandelte, dass an jedem 2. Montag im Monat im Rathaus durch unseren Vorstand eine Sprechstunde abgehalten werden kann. Er war stolz, den Menschen helfen zu können und ihnen den Weg zu den Rechtsberatern des Kreisverbandes aufzuzeigen.         

Für diese Unterstützung und die gute Kooperation mit uns Ehrenamtlern dem Bürgermeister und  der Stadt Attendorn ein ganz  herzliches Dankeschön.

In den Sprechstunden finden Hilfesuchende ein offenes Ohr. Es werden Anträge auf Schwerbehinderung oder Verschlimmerung bearbeitet und es werden Informationen über mögliche Hilfeleistungen gegeben.

Unser Ortsverband ist in 14 Betreuungsgebiete aufgeteilt, in denen die 14 Betreuerinnen und Betreuer unsere Mitglieder zu besonderen Anlässen besuchen und ihre Hilfe anbieten. Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Vorstandskolleginnen und –kollegen für ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit. 

Ich möchte mit Ihnen gemeinsam noch einmal der verstorbenen Vorstandsmitglieder der letzten 5 Jahre gedenken, die mit großem Einsatz im Dienst unserer Mitglieder standen und die die meisten von Ihnen persönlich kannten. Diese waren:

Willi Meyer, Marlies Ingwersen, Monika Bieker, Richard vom Orde, Walter Buschmann, Ursula Reuber und wie Sie wissen, ist im August nun auch Hermann Stach nach kurzer Krankheit verstorben.

Nach dem Tod von Hermann Stach haben wir bis heute trotz großer Bemühungen keine Nachfolge finden können. Glücklicherweise gibt es jetzt erneut Gespräche, und wir hoffen auf einen positiven Ausgang. Da jedoch der Posten des Stellvertreters ebenfalls neu zu besetzen ist, möchte ich dieses Forum auch nutzen, Sie zu fragen, ob die eine oder andere Person aus diesem Kreis die Fähigkeiten und die Zeit mitbringt, dieses Ehrenamt zu bekleiden.

Es handelt sich um ein Ehrenamt, das  sinnstiftend ist und Anerkennung und Dankbarkeit erfährt. Wichtig ist das Interesse und die Freude daran, sich mit anderen gemeinsam für Menschen zu engagieren und sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Alles andere entwickelt sich im gemeinsamen Prozess und  mit der Unterstützung des Vorstands. Wie Sie wissen, habe ich zwar aus der Not heraus die Aufgaben des Vorsitzenden bis jetzt übernommen, jedoch werde ich dies nicht längerfristig  tun können, da meine Halbseitenlähmung für mich ein großes Handicap darstellt.

Und nun möchte ich Ihnen allen für ihre Treue zum VdK herzlich danken. Nur durch die Treue ist es dem VdK möglich, das Erreichte zu erhalten und auszubauen und weiterhin berechtigte Forderungen durchzusetzen. 70 Jahre VdK Attendorn ist uns  Aufforderung und Verpflichtung, den Mitgliedern weiter in ihren individuellen Lebenslagen zu helfen. Unser  Ziel ist,  weiter am Ausbau sozialer Gerechtigkeit mitzuwirken. Durch immer wechselnde Gesetze, Erlasse, Ungerechtigkeiten  und Veränderungen wird unsere Organisation auch in Zukunft dringend gebraucht.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.